Interview Sir Henry Morgan Buccaneers
dude-logo.gifline2.gif

Bandname:
Average Citizen

Mitglieder (Instrumentenzuordnung):
Max (Git/Bass),

Mikey (Bass/Git),
Hops (Schlagzeug)
Sascha (Gesang/Keys)

Durchschnittsalter: 30

Gründungsjahr: 2003

Ort/Herkunft: Türkheim/Unterallgäu


Internetadresse: www.average-citizen.de

CD's (Jahr): Average Citizen: „…on the destruction Boulevard” (2004)

Datum des Interviews: 25.2.2005


Die "direkten" Fragen ;-):


Miansha/DerDUDE:
Hallo! Mal ein paar Fragen direkt zu euch, wenn ich darf?:
Wie würdet ihr eure Musikrichtung als Ska-Band näher charakterisieren?

Average Citizen:
Es gibt Ska und von Ska beeinflusste Musik. Eine ganz reine Skaband sind wir definitiv nicht, gehören also eher zur zweiten Kategorie. Zu Beginn eines neuen Songs stehen oft ein relaxter Skabeat und ein gemopster Basslauf im Raum, die dann durch die Struktur eines Country- oder Folksongs gemogelt werden. Meist kommt dabei was raus, was nicht so einfach einzuordnen ist.


Miansha/DerDUDE:
Wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen?
Average Citizen:
Es ist ein Zitat aus dem ersten Song des Albums. Wir sind um die 30, haben alle einen Job, sind teils verheiratet und haben keine rechte Lust uns nach Feierabend von der Glotze wegsedieren zu lassen. Der Durchschnittsbürger an sich sollte lauter sein!

Miansha/DerDUDE:
Welchen Song sollte man sich anhören, um eure Musik am besten kennenzulernen?
Average Citizen:
Der gerade erwähnte. „In my Room“ – für lau im Netz, wie auch der Rest des Albums.


Miansha/DerDUDE:
Welche Ska-Band / Ska-Persönlichkeit hat euch am meisten beeinflußt?

Average Citizen:
Hey. Habt ihr 10 Seiten Platz? Skatalites, Lee Scratch Perry the Upsetter, Sir Coxsone, Bob Marley, Toots & the Maytals, Peter Tosh, Madness, The Specials, The Slackers, Hepcat… Wobei wir uns da auch nicht immer einig sind.


Miansha/DerDUDE:
Welches ist euer Lieblingssong/ -CD?

Average Citizen:
Super Frage! Was weiß denn ich??? Ähm… GUNS OF BRIXTON …und 20 andere.

Miansha/DerDUDE:
Welche Musikrichtung, neben dem SKA, hat euch am meisten geprägt?

Average Citizen:
Unsere Songs oder unsere Persönlichkeiten? Die Songs auf alle Fälle Punk, Country & Dub. Unsere Persönlichkeiten: Punk, Reggae, Rock’n’roll, Industrial, traditionelle afrikanische Musik, Klassik…

Miansha/DerDUDE:
Welche Botschaft möchtet ihr mit eurer Musik vermitteln?

Average Citizen:
In den Texten geht es um Frieden und Respekt, wobei es mir persönlich natürlich um den Respekt geht, der mir entgegengebracht wird oder werden sollte. Das jetzt bitte nicht so egoistisch verstehen; so einzigartig und wichtig bin ich nun auch nicht. Aber ich gehe mal davon aus, dass es noch andere gibt, die sich mit ähnlichen Problemen rumschlagen. Mich stört die Arroganz der Politiker, das mangelnde ethisch moralische Bewusstsein der meisten unserer Zeitgenossen und dass versucht wird alles an seinem finanziellen Wert zu messen.


Miansha/DerDUDE:
Hat SKA für euch auch eine politische Bedeutung? Wenn ja, welche?

Average Citizen:
Ska als Musikrichtung? Nein. Das kam erst später mit Reggae und so. Allerhöchstens, dass man am Ska sehen kann, wie ein aus dem Commonwealth ausgeschiedenes Land, das kulturell und wirtschaftlich stark von den USA beeinflusst wurde, seine eigene musikalische Identität findet ohne sich von seinen afrikanischen und karibischen Wurzeln loszusagen. Das ist aber eher Geschichte als aktuelle politische Bedeutung. Ska war und ist Tanzmusik. Musik kann an sich gar nicht politisch sein. Die Texte aber schon, hier orientiere ich mich aber eher an Punk, Country und Folk als an Ska.


Die Fragen zu den Konzerten:


Miansha/DerDUDE:
Was waren eure besten und schlimmsten Konzertorte?

Average Citizen:
Gut. Super war als wir noch unter anderem Namen in Augsburg auf dem „X-Large“ gespielt haben: Donnerstag, 11 Uhr nachts, lauer Sommerabend in der Altstadt und Leute ohne Ende…
So richtig Kacke war’s eigentlich auch in Augsburg, aber auf ´nem Punkfest im JuZe in der Kanalstraße. Es waren zwar viele Leute da, aber die haben fast alle fluchtartig den Raum verlassen, begonnen hatten zu spielen. Nach dem Konzi kam dann raus, dass ein Kumpel von einem aufgebrachten Anwohner mit dem Messer angeritzt wurde.

Miansha/DerDUDE:
Wie würdet ihr euer Publikum charakterisieren?

Average Citizen:
Wir können da eigentlich nicht so viel für. Das hängt mehr von der Location ab. Wenn wir bei uns zu Hause spielen, kommen Skaterkiddies, Althippies, gegenkulturelle Jugendliche aus gehobenen Sozialmilieus und ein paar Punks. Uns ist das eigentlich egal, wir haben auch schon in Blueskneipen vor lauter Mittvierzigern gespielt. So lange alle relaxt feiern können und ein paar hübsche Mädels da sind passt das schon.

Miansha/DerDUDE:
Was spielt ihr als Zugabe (welchen Song)?

Average Citizen:
Der letzte Song ist fast immer „Slacky Soldier Dub“: 7 Min, instrumental & Dub. Außer es spielt noch ´ne Band nach uns, dann gibt’s manchmal „Should I Stay or should I go“.

Miansha/DerDUDE:
Gibt es ein verrücktes Erlebnis auf einer Tour, welches erzählenswert ist?
Average Citizen:
Erzählenswert schon, aber nicht in der Öffentlichkeit.


Miansha/DerDUDE:
Mit welcher Band würdet ihr am liebsten zusammen auftreten?

Average Citizen:
Die spielen uns ja alle voll unter’n Tisch! The Aggrolites, The Movement, The Slackers oder Rancid. Aber eigentlich guck ich mir die lieber so an, da kann ich dann schon mittags was trinken.

Miansha/DerDUDE:
Was uns schon immer beschäftigt, ist die Frage, wie ihr mit Nazi-Skins auf Konzerten umgeht?

Average Citizen:
Das ist doch wie mit Kindern in der Trotzphase. Die wollen, dass sich mit ihnen anlegt, dann kommen sie mit 30 Leuten und hauen allen auf’s Maul. Das geht dann so lange hin und her bis alle müde sind oder der Wirt die Polizei ruft. Ziemlich langweilig eigentlich. Wir haben Songs im Programm die da Stellung beziehen. Dann noch ´ne klare Ansage und dann ist da von mir aus alles geklärt. Wie gesagt, is’ wie mit unausgeschlafenen Kindern: Links liegen lassen, dann wird’s denen langweilig und sie gehen ins Bett. Wir haben das Problem aber auch nicht regelmäßig.


Fragen zur Ska-Geschichte:

Miansha/DerDUDE:
Vielleicht noch ein wenig zum Thema Ska-Geschichte?: Es wird häufig von 1-3 Ska-Welle gesprochen. Inwieweit könnt ihr euch damit identifizieren? Was kommt nach der 3. Ska-Welle? Wie seht ihr die Zukunft des SKA?

Average Citizen:
Ska Wellen? Aha. Hab’ ich noch nicht gehört. Bei den DJs könnte ich mir vorstellen, dass die Kunst des Auflegens wieder mehr eine Rolle spielen könnte. Das reine Abspielen von Songs ist ein bisschen langweilig. Gerade wenn man die Songs schon 15 Jahre kennt. Vielleicht trauen die sich bald wieder mehr.
Bei den Bands weiß ich’s nicht so recht, könnte mir aber vorstellen, dass die Songs wieder monotoner und minimalistischer werden. Die Musik wird glaube ich nicht so rockig bleiben, wie sie heute teilweise ist, sondern mehr in die Soul- und Rocksteadyrichtung gehen.

Miansha/DerDUDE:
Wie kommt es, eurer Meinung nach, dass sich die meisten jungen Bands entweder in Richtung traditional Ska oder Ska-Punk entwickeln?

Average Citizen:
Weißt du denn noch viel mehr Alternativen? Die elektronischen Sachen werden vom Publikum nicht so angenommen bzw. richten sich auch an ein anderes Klientel. Und die Sache mit dem Soul hat sich noch nicht so weit herumgesprochen, als dass es als Referenz herhalten könnte. Ich vermute aber, dass die Retrogeschichte à la White Stripes auch bei den Skabands ihre klanglichen Spuren hinterlassen wird.

Miansha/DerDUDE:
Warum hat es der Ska so schwer, sich zu etablieren? Ist Ska zum ewigen Schlummerdasein verdammt?

Average Citizen:
Was heißt denn Schlummerdasein? Da kommen doch fett Leute auf’s Konzert! Mit den Produktionen? Keine Ahnung. Man kann Ska schon gescheit durch den Weichspüler schicken und das dann radiokompatibel verpacken. Das lässt sich dann bestimmt als nächster Sommerhit verkaufen und jeder hört sich das 2 Wochen lang an.
Mach doch einfach ein Skacover mit elektronischem Schlagzeug von „Sgt. Peppers Lonely Heart Club Band“ und lass ´ne 1a Schnitte singen. Mit ein bisschen Glück findest du ja ein Major, das seine Maschine anwirft. Nur: Macht’s das dann besser oder leichter für Ska?
Darüber hinaus ist Ska auch schon ganz schön alt. Versuch mal eine straighte Rock’n’roll-Nummer massenwirksam zu verkaufen. Das geht auch nicht so leicht. Ich find es gut so, wie es ist. Lieber mit 200 guten Leuten feiern als mit 1000 Knalltüten.

Miansha/DerDUDE:
Wen würdet ihr als den "Godfather of Ska" bezeichnen?

Average Citizen:
Skatalites! Also: Tommy McCook & Don Drummond. Dazu die Produzenten Sir Coxsone & Lee Perry.


Schließlich was Allgemeines:


Miansha/DerDUDE:
Letztlich noch ein paar allgemeine Fragen: Welche Band / Ska-CD würdet ihr den Surfern/Ska-People besonders ans Herz legen wollen? (Mal abgesehen von euren eigenen ;-)

Average Citizen:
Von den aktuellen sicher das Album der Aggrolites: „Dirty Reggae“ und „Redlight“ von den Slackers. Alte Sachen? Lee Perry mit Bob Marley, The Upsetters und The Specials. So für den Überblick den „100% Dynamite“ – Sampler und die ersten zwei „Give ´em the Boot“.

Miansha/DerDUDE:
Welche SKA-Page würdet ihr den Surfern im Netz besonders empfehlen? Welche Favoriten habt ihr?

Average Citizen:
Kein Plan. Aber lest „Bass Culture“ von Lloyd Bradley und seht euch „Portraits of Jamaican Music“ an.


Miansha/DerDUDE:
Was steht an nächsten Projekten/ Konzerten an? Wird es eine neue CD geben? Wann kommt sie raus und was wird auf uns zukommen?

Average Citizen:
Die meisten Konzerte organisieren wir selber bei uns in der Gegend zusammen mit anderen heimischen Bands um eben auch dem Begriff Schlummerdasein die Berechtigung zu entziehen. Im Sommer gibt’s dann auch wieder ein Openair in Rammingen mit zwei/drei Bands. Des Weiteren haben wir genug neue Songs, aber noch keine Kohle für die nächste Produktion und spielen deshalb gerne & überall bei geringen Gewinnmitnahmen.
Support your local Ska-Dealer!

Miansha/DerDUDE:
Wir danken euch für dieses umfangreiche und informative Interview!


zurück

Weitere Info-Themen:[Links] [Labels] [Mailorder] [Zines] [Song-Texte] [Interviews (D)] [Interviews (E)] [Fan-Pages]

Übersicht:
[Ska-Einstieg] [Ska-Infos] [Ska-Bands] [Ska-Konzerte] [Ska-Medien] [zur Startseite]