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Bandname:
The Special Guests feat. Willie Ocean

Mitglieder (Instrumentenzuordnung):
insgesamt 9: Willie Ocean Gesang,
Luke Skawalker Drums,
Christough Becker Gitarre,
Floe Brückner Bass,
Sebastian Blottner Keys,
Daniel Zabon Altsax,
David Tenorsax,
Hans Hansestadt Posaune
und Felge Trompete


Durchschnittsalter: 28

Gründungsjahr: Herbst 1994

Ort/Herkunft:
Berlin City: Prenzlauer Berg


Internetadresse:
www.thespecialguests.de

CDs (Jahr):
1997 "Strength to Leave" (7' Vinyl), 1998 "Specialized" (DoLP), 2000 "Can't Stand Sitting" (LP), 2001 "Kids United" (EP), 2002 "Toxic Sweet Love" (LP), 2003 "Brothers in Style" (Split EP mit Yellow Umbrella) und am 26.09.2005 erscheint unser neues Album "Suspicious Delicious".


Datum des Interviews: Sommer 2005


Die "direkten" Fragen ;-):

Miansha/DerDUDE:
Hallo! Mal ein paar Fragen direkt zu euch, wenn ich darf?:
Wie würdet ihr eure Musikrichtung als Ska-Band näher charakterisieren?

The Special Guests feat. Willie Ocean:
Unser Ska-Stil knüpft gleichermaßen stilsicher wie ironisch an die jamaikanischen Wurzeln an - die klassisch "Jamaikanische Instrumentalbesetzung" spricht bereits für sich. Das heißt, dass unsere Musik zu 100% handgemacht und zu 120% tanzbar ist. Dies wird auch in Zukunft so bleiben. Unser Plus sind die zahlreichen Anleihen und Zitate aus anderen Musikstilen (Swing, Cha Cha Cha, 2Tone, Blues etc.). Wir machen Weltmusik. Das äußert sich auch in den Texten, die alle auf Englisch sind. Außerdem: Die durchweg sehr guten Musiker in der Band sind unser wichtigstes Kapital. So viel Qualität findet man heutzutage selten in Ska-Bands. Zum Ausdruck kommt dies insbesondere in den Solo-Passagen der Songs, wo unsere Musik auch eindeutig jazzigen Charakter erhält. Von Zirkusmusik halten wir wenig. Unsere fetten Bläsersätze sind größtenteils auf Notenpapier (!) arrangiert. Dennoch: Wir machen Musik, die in die Knochen geht, die wie eine Krankheit alle Glieder befällt und das Publikum zu Tanzspasmen zwingt. Manche sagen auch: Diese Musik ist Gift. Deswegen wurde unser Stil des öfteren schon als "Toxic Ska" tituliert.

Miansha/DerDUDE:
Wie seid ihr auf den Bandnamen gekommen?

The Special Guests feat. Willie Ocean:
Als Kinder wurden wir von unseren Eltern oft geschlagen und kamen nie zu Wort. Aus den damit verbundenen Minderwertigkeitsgefühlen heraus entstand vermutlich nach der Pubertät das extreme Bedürfnis etwas Besonderes zu sein: "To Be Someone Special". Jede Party, auf der wir auftauchten, wurde genutzt, um exhibitionistische Gelüste verschiedenster Art auszuleben. Ständig gab es Ärger oder es wurde einfach extrem lustig. Bevor wir uns als Band zusammentaten hieß es auf solchen Partys schon immer - "Oha - da kommen sie wieder, die Special Guests". Dies griffen wir auf und nannten uns später The Special Guests. Um der Verwechslungsgefahr außerhalb der Ska-Szene etwas entgegenzuwirken haben wir nach dem Engagement des neuen Sängers unseren Bandnamen mit dem Zusatz feat. Willie Ocean versehen. So entstand der Bandname: The Special Guests feat. Willie Ocean.


Miansha/DerDUDE:
Welchen Song sollte man sich anhören, um eure Musik am besten kennenzulernen?
The Special Guests feat. Willie Ocean:
Der Abwechslungsreichtum unserer Musik ist groß. Jeder Song steht für sich und ist somit nicht unmittelbar mit einem anderen vergleichbar. Es kommt dabei auf die Hörer an, ob eher Blues, Latin, 2Tone oder Rocksteady als Empfehlung gelten soll. Wer einen Eindruck von unserer neuesten Platte bekommen möchte, sollte sich "Waiting" anhören. Eine kleine Auswahl weiterer Songs steht auf unserer Homepage zum Download bereit.


Miansha/DerDUDE:
Hat euch eine Ska-Band /Ska-Persönlichkeit am meisten beeinflußt?

The Special Guests feat. Willie Ocean:
Zum Glück gab es keine Ska-Band oder Musiker-Persönlichkeit, die einen solchen Einfluss auf uns hatte, dass man deren Stil in unserer Mucke dauerhaft wiedererkennen könnte. Wir kopieren nicht, sondern stehen mit unserer Musik eigenständig da. Sollten einige Passagen mal wie Judge Dread oder The Skatalites klingen, so ist dies als ironische Anleihe zu verstehen. Wenn wir mal (was selten vorkommt) einen Song covern, so tun wir dies, weil wir den jeweiligen Titel mögen. Meistens machen wir dann aber unsere eigene TSG-Version daraus. Bei neun relativ gleichberechtigten Bandleuten, die alle einen unterschiedlichen Musikgeschmack haben, ist es nahezu unmöglich, den Einfluss eines bestimmten Musikers, der den einen oder anderen von uns fasziniert haben mag, immer wieder in eigenen Songs hervortreten zu lassen.

Miansha/DerDUDE:
Welches ist euer Lieblingssong/ -CD?

The Special Guests feat. Willie Ocean:
[Marko Felgenhauer:] Erskine Hawkins:Trippin In [Tute:] Frank Zappa - Apostrophe (')


Miansha/DerDUDE:
Welche Musikrichtung, neben dem SKA, hat euch am meisten geprägt?

The Special Guests feat. Willie Ocean:
Vor allen Dingen natürlich die aktuelle Pop- und Rockmusik, die man unwillkürlich über die Medien konsumiert. Aber auch Jazz, Klassik, R&B, Soul und Funk. Einige Musiker von uns haben eine klassische Instrumentenausbildung erhalten. Dies spiegelt sich aber eher im Songwriting und eventuell im Arrangement wieder, jedoch nicht so sehr stilistisch.

Miansha/DerDUDE:
Gibt es eine Botschaft, die ihr mit eurer Musik vermitteln wollt?

Hat SKA für euch auch eine politische Bedeutung? Wenn ja, welche?
The Special Guests feat. Willie Ocean:
"Let go!" (Die Menschen sollen sich "gehen lassen" und nicht auch noch durch unsere Musik mit komplexen Problemen des Alltags konfrontiert werden. Unsere Musik ist unpolitisch. Texte handeln fast nur von zwischenmenschlichen Beziehungen und den verschiedenen Facetten der Liebe. Die Botschaft ließe sich auch auf folgenden Nenner bringen: Shut up. Dance. Make Love. Drink. Be yourself. Tolerance. Peace. Dance.)

Wenn wir auf Konzerten unsere Stimme erheben, dann gegen Intoleranz, Engstirnigkeit und physische Gewalt. Dazu gehört vor allen Dingen folgender Punkt: Ska against racism! Ansonsten hat Ska für uns keine politische Bedeutung. Wir machen Party-Musik.


Die Fragen zu den Konzerten:


Miansha/DerDUDE:
Ein paar Fragen zu euren Konzerten: Was waren eure besten und schlimmsten Konzertorte?

The Special Guests feat. Willie Ocean:
Von Paris bis Prag, Hamburg bis Berlin, Kopenhagen bis Barcelona - es gab gute und weniger gute Konzerte, jedoch keine extremen Ausfälle. Zumindest haben wir immer versucht, das Beste daraus zu machen. Wie zum Beispiel einmal in einem besetzten Haus in Brüssel. Kein Klo. Laute Punkmusik bis morgens 9 Uhr. Hunde überall. Und zum Wärmen eine Tonne mit brennendem Autoreifen im Innenhof. Aber: Es gab Bierchen...


Miansha/DerDUDE:
Was spielt ihr als Zugabe (welchen Song)?

The Special Guests feat. Willie Ocean:
In der Regel: Double oder Skaba

Miansha/DerDUDE:
Wie würdet ihr euer Publikum charakterisieren?

The Special Guests feat. Willie Ocean:
Jazzpolizei, Partybiene, Punk, Sharp, Rasta, Mutti, Vati, Teenager, Kiddies - von unter 10 bis über 50 Jahre ist fast alles vertreten - eine perfekte Mischung für die wir uns wirklich bedanken können und die ihresgleichen in der Ska-Szene sucht. Natürlich haben wir dafür einen leichten Standortvorteil: Berlin und seine bunten Communities.

Miansha/DerDUDE:
Gibt es ein verrücktes Erlebnis auf einer Tour, welches erzählenswert ist?

The Special Guests feat. Willie Ocean:

Eines? Ha! Wir sind seit über 10 Jahren auf Tour... Schäferhunde, die besoffene Punker ficken. Open Air Schlammschlachten. Lautstarke Liebes-Orgien auf Hotelfluren (kein Witz). Happy-Happy-Alarm in Gütersloh. Kreischende Teenager, die bis zu 20 SMS pro Tag an einzelne Bandmitglieder senden (Simkarte voll?). Magenverstimmungen Backstage. Band-Bus-Getriebeschaden. Schmarotzende dicke Küchenfrauen in Dorf-Jugendclubs. Schlägereien mit Punks um unbezahlte Band-T-Shirt. Die Liste ließe sich noch lange weiterführen.

Miansha/DerDUDE:
Mit welcher Band würdet ihr am liebsten zusammen auftreten?

The Special Guests feat. Willie Ocean:
Eigentlich haben wir mit allen Idolen der Skaszene bereits gemeinsam auf der Bühne gestanden: Slackers, Hepcat, Skatalites, NYSJE, Desmond Dekker, Jugde Dread - um nur einige zu nennen. Sehr angenehm waren immer unsere Auftritte gemeinsam mit Yellow Umbrella aus Dresden. Ansonsten haben wir keinen ausgesprochenen Favoriten, mit dem wir gerne noch einmal musizieren würden.

Miansha/DerDUDE:
Was mich schon immer beschäftigt, ist die Frage, wie ihr mit Nazi-Skins auf Konzerten umgeht?

The Special Guests feat. Willie Ocean:
Die kommen bei uns erst gar nicht. Wir sind denen wohl zu musikalisch. Oder sie geben sich nicht zu erkennen, weil sie vor den Chicks in der 1. Reihe einen guten Eindruck machen wollen. Hehe.


Fragen zur Ska-Geschichte:

Miansha/DerDUDE:
Vielleicht noch ein wenig zum Thema Ska-Geschichte?: Es wird häufig von 1-3 Ska-Welle gesprochen. Inwieweit könnt ihr euch damit identifizieren? Was kommt nach der 3. Ska-Welle? Wie seht ihr die Zukunft des SKA?

The Special Guests feat. Willie Ocean:
Es bleibt unserer Meinung nach alles wie gehabt. Ska an sich wird auch weiterhin ein Untergrund-Dasein fristen. Von den so genannten Ska-Wellen wurde hauptsächlich in den Medien gesprochen. Wir denken eigentlich nicht in diesen Kategorien. Ist es nicht so, dass coolen Bands, die Vertreter eines bestimmten Musikstils sind, gerne nachgeeifert wird? Von Zeit zu Zeit schafft es eine gute Ska-Band in die Sphären des Pop, wird daraufhin von anderen Bands kopiert, die Musikindustrie wittert einen Markt und schwuppdiwupp spricht man von einer Ska-Welle. Madness glauben ja, dass in Sachen Ska in der nächsten Zeit etwas passieren wird. Hier ist wohl eher der Wunsch Vater des Gedanken. Im Zeitalter der elektronischen Beats wird Ska wohl auch in Zukunft ein Nischen-Dasein fristen.


Miansha/DerDUDE:
Wie kommt es, eurer Meinung nach, dass sich die meisten jungen Bands entweder in Richtung traditional Ska oder Ska-Punk entwickeln?

The Special Guests feat. Willie Ocean:
Die Gründe liegen auf der Hand. Vermutlich ist dies in erster Linie den Vorlieben und Fähigkeiten der einzelnen Musiker geschuldet. Traditional Ska muss man erst einmal zum Grooven bringen... Skapunk hingegen ist einfach gestrickt und meist ein Partygarant. Man benötigt nicht einmal eine Bläser-Fraktion. Je nachdem, wie das Angebot an guten Musikern (die Lust auf Ska haben) in einer Region ist und sich die Kombos schließlich zusammensetzen, legt eine Band mehr Wert auf Musikalität und Originalität oder halt auf laute Party.

Miansha/DerDUDE:
Warum hat es der Ska so schwer, sich zu etablieren? Ist Ska zum ewigen Schlummerdasein verdammt?

The Special Guests feat. Willie Ocean:
So lange unsere Konzerte voll sind, sehen wir nichts schlummern! Außerdem: Lieber in lauschigen Clubs spielen als in riesigen Hallen. Abstruse Vorstellung: Eine Skaband in einem Fußballstadion. Also: Ska, bleib so wie Du bist. Ska ist wach, wo die Leute wach für etwas anderes sind.


Schließlich was Allgemeines:


Miansha/DerDUDE:
Letztlich noch ein paar allgemeine Fragen: Welche Band / Ska-CD würdet ihr den Surfern/Ska-People besonders ans Herz legen wollen? (Mal abgesehen von euren eigenen ;-)

The Special Guests feat. Willie Ocean:
alles von Slackers, Hepcat und Skatalites

Miansha/DerDUDE:
Wen würdet ihr als den "Godfather of Ska" bezeichnen?

The Special Guests feat. Willie Ocean:
Niemanden. Gibt es einen Godfather of Pop?

Miansha/DerDUDE:
Welche SKA-Page würdet ihr den Surfern im Netz besonders empfehlen? Welche Favoriten habt ihr?

The Special Guests feat. Willie Ocean:
Ska-talk.com, Rudis Skapage und allska.de

Miansha/DerDUDE:
Was steht an nächsten Projekten/ Konzerten an? Wird es eine neue CD geben? Wann kommt sie raus und was wird auf uns zukommen?

The Special Guests feat. Willie Ocean:
Im September startet unsere Suspicious-Delicious-Tour zum neuen Album. Im Übrigen: Es ist bereits unser 4. Longplayer und der erste Tonträger in Zusammenarbeit mit dem Sänger Mr. Willie Ocean

26.09.2005 auf CD/Vinyl in allen Plattenläden zu haben. Wer wissen will, wie Ska made in Berlin klingt, sollte reinhören. Shake yer booty, wiggle your bellies.

Miansha/DerDUDE:
Platz für eigene Kommentare, Anmerkungen von euch!!!...

The Special Guests feat. Willie Ocean:
All the best to Sony the fat Pussy.


Miansha/DerDUDE:
Wir danken euch für dieses sehr informative und umfangreiche Interview!


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